Die Charakterformen

Die Bedingungen der Charakterbildung

In der Orgontherapie erfolgt eine charakterologische Diagnose nach jener erogenen Zone, die am stärksten blockiert ist. Da es vier erogene Zonen gibt – die okulare, die orale, die anale und die genitale – haben wir es mit den folgenden Charakterformen zu tun:

Unterdrückte okulare Charaktere: Schizophrenie mit ihren Unterformen: kataton, paranoid, hebephren, simplex. Sie entwickeln sich infolge der jeweiligen sekundären Blockierung, zu der es nach der primären Augenblockierung kommt. Wie schwer die letztere auch sein mag, erlaubt sie es doch, daß sich das Individuum durch die üblichen psycho-sexuellen Phasen hindurch entwickelt. Essentielle Epilepsie.

Hinzu kommen unbefriedigte okulare Charaktere: Voyeurismus.

Orale Charaktere: orale Charaktere in Reinform sind sehr selten, statt dessen treten häufig sekundäre sehr ausgeprägte orale Blockaden in anderen Charakterformen auf.

Unterdrückte anale Charaktere: zwanghaft.

Unbefriedigte anale Charaktere: passiv-feminin (ausschließlich bei Männern), masochistisch.

Zur genitalen Sphäre gehören die phallischen Charaktere (unterdrückt und unbefriedigt), sowie paranoide, manisch-depressive und chronisch-depressive Charaktere, zu denen es kommt, wenn der Betroffene zwar in der phallischen Phase stecken bleibt, dabei jedoch Blockierungen in anderen Segmenten vorhanden sind. Beispielsweise eine okulare beim paranoiden Charakter, eine unbefriedigte orale beim manisch-depressiven Charakter und eine unterdrückte orale beim chronisch-depressiven Charakter.

Jene, die die phallische Phase überschreiten und die genitale Phase erreichen, diese bei ihnen jedoch aufgrund des unaufgelösten Ödipuskomplexes mit einer ausgeprägten Angstkomponente verbunden ist, entwickeln einen hysterischen Charakter.

Hysterische Charaktere können ihrerseits unterschiedliche Schattierungen aufweisen, wenn in einem oder mehreren anderen Segmenten Blockaden vorhanden sind, die prä-genitaler Natur sind. Zum Beispiel färbt das Vorhandensein einer unterdrückten oralen Blockierung das Bild mehr oder weniger ausgeprägt mit depressiven Einstellungen, während eine schwere okulare Blockierung psychotische Phänomene hervorbringen kann.

Das Problem, welche Blockaden aus Sicht der Orgonomie mit sich bringen, beruht auf der Behinderung, die diese Panzerung für die vollständige sexuelle Befriedigung darstellt. Unausweichlich bedingt sie einen Überschuß nicht entladener Energie, die das Symptom in einer Struktur am Leben erhält, welche infantile Züge zeigt, die auf die Periode zurückgehen, in der sich die Blockade gebildet hat. Wenn ein Mensch es schafft, die vollständige sexuelle Reife ohne besondere Blockaden zu erlangen und deshalb orgastisch potent ist, d.h. keine Energiestauung und keine infantilen Züge zeigt, wird er als genitaler Charakter bezeichnet. Der wirklich wahre genitale Charakter kann als ein nichtexistentes Ideal betrachtet werden, während der, der trotz der unvermeidlichen Wechselfälle des Lebens, all der Probleme und Hindernisse während der unterschiedlichen Entwicklungsphasen, in der Lage war, seine orgastische Potenz zu erhalten, als funktioneller genitaler Charakter bezeichnet wird.

Hervorzuheben ist, daß eine Charakterdiagnose, zum Beispiel die eines schizophrenen Charakters, nicht notwendiger Weise bedeutet, daß sich ein klar abgegrenztes klinisches Bild zeigt. Als grundlegend für die Diagnose werden die Verhaltensweisen angesichts von Angst oder zumindest angesichts von Situationen betrachtet, die die Abwehr des Patienten mobilisieren. Jede Charakterform wird gemäß der Besonderheiten ihrer eigenen bioenergetischen Struktur reagieren. Ein Phalliker wird in einer Situation aggressiv werden, in der der Passiv-Feminine noch unterwürfiger werden wird, während ein hysterischer Charakter der Angst zum Opfer fällt, etc.

Der Einfluß nichterogener Segmente (Hals, Brust, Zwerchfell, Bauch) verändert die Charakterstruktur nicht, sondern fügt dem Bild einfach nur Symptome hinzu. Eine Zwerchfell-Blockierung kann ein Zwölffingerdarmgeschwür hervorrufen, eine Brust-Blockierung Bluthochdruck oder Asthma bronchiale, eine Halsblockierung Kopfschmerzen. Natürlich kann auch die Blockierung eines erogenen Segments eine organische Erkrankung bedingen, beispielsweise eine Becken-Blockierung ein Geschwür der Prostate oder Eierstockzysten, etc.

Bestimmende Faktoren der Charakterbildung

Die Bedingungen, die die Formation einer bestimmten Charakterform bestimmen und das Ausmaß der Krankheitserscheinungen liegen nicht nur im Konflikt zwischen Trieb und seiner Versagung. Die hauptsächlichen Bedingungen sind:

  1. Der Zeitpunkt, zu dem der Trieb der Versagung ausgesetzt ist.
  2. Grad und Ausmaß der Versagung.
  3. Der spezifische Trieb, gegen den sich die Hauptversagung richtet.
  4. Das Verhältnis von erlaubter Befriedigung und Versagung des Triebes.
  5. Das Geschlecht der Person, von der die größte Versagung ausgeht.
  6. Die Widersprüche innerhalb der Versagungen selbst. (Beispielsweise war es beim masochistischen Charakter die weitgehende Billigung der analen Zeigefreude bei strikter Unterdrückung der phallischen.)
  7. Das angeborene Energieniveau des Menschen, das es ihm erlaubt, mehr oder weniger stark auf eine Versagung zu reagieren.

Zu beachten ist, daß ein Trieb, der sich voll entwickelt hat, nicht mehr vollständig unterdrückt werden kann und im Falle seiner Versagung weiterhin nach Befriedigung streben wird. Das ist die Situation, die üblicherweise der unbefriedigten Blockade zugrunde liegt. Im Falle der unterdrückten Blockade haben wir eine Situation vor uns, in der dem betreffenden Trieb erlaubt wurde, sich nur teilweise bzw. gar nicht zu entwickeln.

Es ist deshalb offensichtlich, wie bestimmend das Energieniveau des Kindes für seine Fähigkeit ist, gegen die Versagung zu kämpfen, und für die Intensität seiner Triebansprüche.

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